Als Aufschlag gibts ein längeres Leben

Tennisspieler können sich auf bis zu zehn Jahre mehr Leben freuen – weit mehr als Jogger, Fussballer oder Fitnessjunkies.

Gretchen Reynolds

er Tennis spielt oder einen Teamsport betreibt, kann sein Leben um mehrere Jahre verlängern. Dies ist das Fazit einer aktuellen dänischen Studie mit rund 8600 Männern und Frauen. Demnach leben Racketsportler nicht nur deutlich länger als Menschen, die sich kaum bewegen, sie toppen auch die Lebensspanne von Joggern, Schwimmern und Velofahrern. Diese Aktivitäten gelten zwar auch als gesund, werden aber oft allein unternommen. Die Studie wirft daher die Frage auf, ob und wie stark soziale Interaktionen den gesundheitlichen Nutzen von Sport verstärken können.

Dass physische Aktivität die Gesundheit stärkt und die Lebenserwartung verlängern kann, darüber bestehen keine Zweifel. Diverse sogenannte epidemiologische Studien haben immer wieder einen Zusammenhang zwischen regelmässigem Sporttreiben und einem längeren Leben gefunden – und zwar bei Männern und bei Frauen. Doch ob bestimmte Sportarten besser darin sind, das Leben zu verlängern, ist immer noch strittig. So kam 2017 eine Studie mit über 80'000 britischen Männern und Frauen erstmals zum Schluss, dass Racketsportler tendenziell länger leben als Jogger.

Gesundheit über Jahre verfolgt

Dieser Befund weckte das Interesse einer internationalen Forschergruppe. In einer früheren Studie hatten diese Forscher den Zusammenhang zwischen Joggen und Lebenserwartung untersucht. Sie kamen dabei zum Schluss, dass mittelmässig häufiges und mittelmässig anstrengendes Joggen die Lebenserwartung am stärksten verlängert, mehr jedenfalls als sanftes oder extrem anstrengendes Joggen am Limit.

Für die neue Studie haben die Forscher die Fragestellung ausgeweitet, indem sie verschiedene Sportarten respektive deren Effekt auf die Lebenserwartung miteinander verglichen. Für ihre Studie griffen die Forscher auf Daten der Copenhagen City Heart Study zurück, im Rahmen derer das Leben und die Gesundheit von Tausenden Frauen und Männern aus Kopenhagen über Jahre verfolgt wird.

Die Studienteilnehmer hatten alle einen Gesundheitscheck absolviert und längere Fragebögen ausgefüllt zu ihrem Lebensstil und wie oft sie welche in Dänemark populären Sportarten ausüben. Zur Auswahl standen unter anderem Velofahren, Schwimmen, Joggen, Tennis, Fussball und Badminton.

Tennis schlägt alle anderen Sportarten

Die Forscher konzentrierten sich dabei auf rund 8600 Teilnehmer, die jeweils etwa 25 Jahre lang an der Studie teilgenommen hatten. Sie glichen deren Daten mit dem nationalen Sterberegister ab, um herauszufinden, wer von den Teilnehmern schon gestorben war. Dann verglichen sie die Art der sportlichen Aktivität mit der Lebenserwartung.

Am offensichtlichsten war der Befund, dass Menschen, die nie Sport getrieben hatten, in den folgenden Jahren ein höheres Sterberisiko hatten. Überraschender waren aber die gefundenen Zusammenhänge zwischen bestimmten Aktivitäten und der Lebenserwartung. Velofahren zum Beispiel ist der populärste Sport in Dänemark. Viele gaben an, mehr als vier Stunden pro Woche so zu trainieren. Damit konnten diese Probanden ihre Lebenserwartung um immerhin 3,7 Jahre verlängern.

«Auch soziale Aspekte sind ein Grund für eine höhere Lebenserwartung.»

Joggen war ähnlich effektiv mit einem um 3,2 Jahre verlängerten Leben. Aber diese zusätzlichen Lebensjahre verblassten im Vergleich zu den 9,7 Jahren, die Tennisspieler oder den 6,2 Jahren, welche Badmintonspieler dazugewonnen hatten. Diese Zusammenhänge, so berechneten die Forscher, seien unabhängig von der Ausbildung, dem Alter und dem sozioökonomischen Status der Studienteilnehmer.

Warum oder wie bestimmte Sportarten das Leben mehr verlängern als andere, sei aufgrund einer epidemiologischen Studie unmöglich, herauszufinden, sagt Studien-Co-Autor James O'Keefe, Direktor Präventive Kardiologie am St. Luke's Health Center in Kansas City. Die unterschiedlichen physischen Beanspruchungen könnten laut O'Keefe eine Rolle spielen, obwohl kaum einer der Studienteilnehmer hoch intensiv trainierte.

Das Einkommen kann ebenfalls entscheidend sein

Das Einkommen und andere Aspekte des Lebensstils kämen aber durchaus auch infrage, sagt O'Keefe. Die Forscher hätten zwar versucht, in ihren Auswertungen den sozioökonomischen Status mit einzurechnen. Es bestehe aber trotzdem die Möglichkeit, dass Menschen, die genug Geld und Freizeit hätten, um Tennis zu spielen, länger leben würden, eben weil sie genügend Geld und Freizeit haben und nicht weil sie Tennis spielen.

Allerdings glaubt O'Keefe auch, dass die sozialen Aspekte von Tennis, Badminton oder Teamsportarten ein Hauptgrund sind für die höhere Lebenserwartung. «Man weiss, dass soziale Unterstützung den Stress lindern kann», sagt O'Keefe. «Wer also mit anderen Menschen spielt oder interagiert, profitiert wohl von psychologischen und physiologischen Effekten.» Dadurch würde der Effekt des Trainings gesteigert. Diese Hypothese müsse man allerdings noch beweisen, am besten, indem man die verschiedenen Trainings in randomisierten Experimenten miteinander vergleicht.

Fürs Erste können aber Sportler, die meist allein joggen oder biken, sich mit anderen zusammentun oder sich einer Gruppe anschliessen. «Die Herzfrequenz zu steigern, ist wichtig für die Gesundheit», sagt O'Keefe. «Aber wie es scheint, ist es auch wichtig, sich beim Sport zusammenzutun.»

SonntagsZeitung